Spital Muri stellt Weichen für die Zukunft
Das Spital Muri richtet sein medizinisches Angebot auf die demografische Entwicklung aus. Dies hat der Stiftungsrat im Rahmen seines regulären Strategieprozesses beschlossen. Ausgebaut und gestärkt werden Bereiche mit wachsender Nachfrage wie die Orthopädie und die Akutgeriatrie. Die defizitäre Geburtshilfe hingegen wird aus wirtschaftlichen Gründen per Ende 2025 geschlossen. Damit will das Spital Muri wieder finanzielle Stabilität gewinnen, um weiterhin einen wesentlichen Beitrag zur Grundversorgung in der Region zu leisten und den Betrieb des Spitals langfristig sicherzustellen. Hauptpfeiler des Leistungsangebotes ist und bleibt die breite medizinische Grundversorgung.
Das Spital Muri will auch in Zukunft ein zuverlässiger, qualitativ hochstehender und wohnortnaher Gesundheitsversorger für die Menschen im Freiamt sein. Dies bedeutet, der demografischen Entwicklung Rechnung zu tragen, die durch einen wachsenden Anteil an älteren Menschen, die steigende Lebenserwartung und eine tiefe Geburtenhäufigkeit geprägt ist. Damit geht eine Veränderung der Bedürfnisse in der medizinischen Grundversorgung einher. Gleichzeitig gilt es, die langfristige finanzielle Stabilität für den Spitalbetrieb zu gewährleisten, die unter den aktuellen Bedingungen im Schweizer Gesundheitssystem nicht gegeben ist.
Die anhaltende Unterdeckung bei den ambulanten und stationären Tarifen, die sich aus dem Fachkräftemangel ergebende Mehrbelastung sowie das anspruchsvolle wirtschaftliche Umfeld belasten das Geschäftsergebnis und das Eigenkapital. Ausreichende Eigenmittel sind jedoch wichtig für den Werterhalt der Infrastruktur und notwendige Investitionen in das Leistungsangebot und unsere Mitarbeitenden. Vor diesem Hintergrund hat der Stiftungsrat des Spitals Muri im Rahmen des regulären Strategieprozesses die Strategie überprüft und gezielte Anpassungen des medizinischen Angebots beschlossen.
Bedarfsorientierte Akzente im Leistungsangebot
Hauptpfeiler des Leistungsangebotes ist und bleibt die breite medizinische Grundversorgung. Darüber hinaus stärkt das Spital diejenigen Leistungsbereiche, die einem wachsenden Bedarf aus der Region entsprechen. Im Gegenzug trennt es sich von einem Leistungsbereich, der sich aufgrund steigender regulatorischer Anforderungen personell und finanziell immer schwieriger gewährleisten lässt. Mit diesen Massnahmen will der Stiftungsrat eine langfristig tragfähige EBITDA-Marge von rund 10 Prozent erreichen und nachhaltig Arbeitsplätze für die Region sichern.
Ausbau der Orthopädie und Stärkung der Akutgeriatrie
Das Spital Muri als regionales Akutspital in der Grundversorgung setzt zukünftig verstärkt Akzente in der Orthopädie und der Altersmedizin. Beide Bereiche entsprechen einem steigenden regionalen Bedarf und tragen langfristig zur wirtschaftlichen Stabilität des Spitals bei. Die Orthopädie wird neu als eigenständiger Fachbereich mit eigenem Chefarzt und weiteren Kaderärzten geführt. Der Fokus liegt auf der Prothetik, insbesondere bei Hüft- und Kniegelenken und Alterstraumatologie. Das bestehende Leistungsangebot der Akutgeriatrie wird ausgebaut und durch die Rekrutierung einer zweiten Geriaterin oder eines zweiten Geriaters gestärkt.
Schliessung der Geburtshilfe per Ende 2025
Der Bereich Geburtshilfe sieht sich seit längerem mit einschränkenden Tendenzen konfrontiert. Die Geburtenrate im Einzugsgebiet ist trotz wachsender Wohnbevölkerung sinkend, was der gesamtschweizerischen Entwicklung entspricht. Hinzu kommen veränderte Präferenzen von Gebärenden, die immer öfter entweder ein Zentrumsspital mit Neonatologie wählen oder sich für ein Geburtshaus oder für eine Hausgeburt entscheiden. Gleichzeitig bedingen die gesetzlichen Anforderungen einen hohen Bereitschaftsdienst, der sich angesichts des Fachkräftemangels immer schwieriger gewährleisten lässt. Vor diesem Hintergrund ist der Stiftungsrat des Spitals Muri zum Schluss gekommen, die stationäre Geburtshilfe per Ende 2025 aufzugeben, da sich ein wirtschaftlicher Betrieb trotz hoher Qualität und Kompetenz weder heute noch in absehbarer Zeit realisieren lässt.
«Wir bedauern sehr, dass die Schliessung der Geburtshilfe unvermeidbar geworden ist. Dieser Schritt ist uns ausgesprochen schwergefallen. Viele von uns wurden hier geboren und haben eine starke emotionale Verbindung zum Spital Muri», so Sabina Rüttimann, Präsidentin des Stiftungsrates. Die konkreten Auswirkungen auf den Personalbestand stehen zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fest. Das Spital Muri geht davon aus, einen Grossteil der betroffenen Mitarbeitenden weiterbeschäftigen zu können.
Der Fachbereich Gynäkologie mit seinem zertifizierten Brustzentrum ist von der Schliessung der Geburtshilfe nicht tangiert: Das Spital Muri bleibt ein verlässlicher und kompetenter Partner für moderne Frauenheilkunde und betreut Frauen von der Pubertät bis ins hohe Alter. Stationäre und ambulante gynäkologische Gesundheitsleistungen und Sprechstunden, inklusive Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangerschaften, Operationen und spezialisierte Behandlungen bei z.B. Brust- und Unterleibserkrankungen, Inkontinenz, Beckenboden- oder Wechseljahrbeschwerden werden weiterhin angeboten.
Hochwertige Grundversorgung für die Region
Mit den Anpassungen des medizinischen Angebots schafft das Spital Muri eine solide Basis für die wirtschaftliche Zukunft des Spitals. «Der Stiftungsrat ebenso wie die Spitalleitung sind überzeugt, dass wir mit dieser Weichenstellung auch langfristig eine wohnortnahe und qualitativ hochstehende medizinische Versorgung anbieten können», so Sabina Rüttimann.