Medizinische Fachpersonen trainieren für den Notfall

Das Spital Muri ist seit einem Jahr zertifizierte Trainingsstätte für ACLS-Kurse. Experten des Rettungsdiensts bilden in diesen Kursen medizinisches Fachpersonal aus, damit dieses in Notfallsituationen richtig handelt. Wir haben den Teilnehmenden eines ACLS-Kurses über die Schulter geblickt.

Pünktlich um 8.00 Uhr startet an diesem Montagmorgen im Spital Muri der ACLS-Kurs. ACLS ist die Abkürzung für den englischsprachigen Ausdruck «Advanced cardiac life support». Im Kurs werden medizinische Fachpersonen geschult, um erfolgreichere Rettungsmassnahmen bei einem Herzstillstand und anderen Herz-Notfällen zu erzielen. Seit rund fünf Jahren bietet der Rettungsdienst des Spitals Muri die beiden ACLS-Kurse «Provider» und «Refresher» an. Seit vergangenem Jahr steht zudem eine eigene, von der American Heart Association (AHA) zertifizierte Trainingsstätte zur Verfügung. Die Kursräume sind mit modernsten Trainingsgeräten ausgerüstet und bieten ideale Trainingsbedingungen.

Lernen von den Experten
Im Zentrum des zweitägigen ACLS-Provider-Kurses stehen die Bedeutung der Teamarbeit und Kommunikation sowie verschiedene Versorgungssysteme und die Notfallversorgung nach einem Herzstillstand. Mittels Fachliteratur bereiteten sich die Teilnehmenden intensiv auf den Kurs vor. Amadeus Böhler und Daniel Kreis, beides Dipl. Rettungssanitäter/Anästhesiepflege HF und erfahrene ACLS-Instruktoren leiten den Kurs. Sie sind Instruktoren aus Leidenschaft freuen sich auf jeden Kurs. Daniel Kreis meint: «Wichtig bei einer Reanimation ist, dass das komplette Team gut zusammenarbeitet. Die Herausforderung dabei ist, dass sich die Leute untereinander nur bedingt kennen. Wir wollen genau dieses Zusammenarbeiten fördern, damit die Reanimation möglichst gut abläuft. Darum ist es für mich so wichtig, diesen Kurs zu geben.»

Auf die Frage der Instruktoren, welche Erwartungen die Teilnehmenden an die beiden Kurstage und die Instruktoren hätten, sind sie sich einig: Sie möchten ihr Wissen und ihre Fähigkeiten erweitern, um in Notfallsituationen rasch und korrekt handeln zu können. Zudem wünschen sie sich kompetente Antworten auf ihre Fragen.

Obwohl sich die Teilnehmenden mit ähnlichen Erwartungen an den Kurs angemeldet hatten, variieren ihre beruflichen Hintergründe. Im Kurs vertreten sind drei Dipl. Pflegefachpersonen HF Notfall und eine Dipl. Expertin Intensivpflege aus dem Spital Muri sowie ein Assistenzarzt aus dem Spital Flawil. Die Stimmung in der Gruppe ist angenehm und fröhlich. Das sind also ideale Voraussetzungen für zwei erfolgreiche ACLS-Trainingstage. Bevor die Kursteilnehmenden anhand verschiedener Fallszenarien praktische Übungen absolvieren, steht ein Theorieteil auf dem Programm. Dieser bietet einerseits Platz, um Fragen aus der vorbereitenden Lektüre aufzugreifen und andererseits die Themen Atemwegs-Management, Sicherung der lebenswichtigen Funktionen (Atmung und Kreislauf) und die Kommunikation im Team zu behandeln.

Modernes Übungssetting mittels Tablet und Smartphone
Nach der theoretischen Einführung durch die beiden Instruktoren wechselt die Gruppe den Raum. Auf die Teilnehmenden warten verschiedene Lern- und Übungsstationen anhand derer sie in unterschiedlichen Fallszenarien aktiv und praxisnah lernen. Die Übungen werden sowohl als Einzelhelfer als auch im Team absolviert. An einer Station gilt es, einen sogenannten intraossären Zugang zu legen. Dabei wird mittels eines kleinen Bohrers ein Loch in die Knochenmarkshöhle des Schienbeins gebohrt, sodass Infusionen oder Medikamente direkt verabreicht werden können. Diese Massnahme wird dann angewandt, wenn kein Venenkatheter gelegt werden kann. Für Patienten sehr schmerzhaft, da das Knochenmark durch die eindringende Flüssigkeit verdrängt wird. Gut, dass zu diesem Zweck ein sehr realitätsgetreu entwickeltes Schienbeinmodell zur Verfügung steht.

An einer anderen Station steht das Team vor der Aufgabe, anhand von Algorithmen die Diagnose und Therapie bei Herzrhythmusstörungen und das Atemwegs-Management festzulegen. Instruktor Amadeus Böhler steuert dabei das Befinden des «Patienten» via Tablet und Smartphone und kann so verschiedene Situationen simulieren. Weitere Hilfsmittel wie Übungsphantom, Defibrillator und andere medizinische Geräte ermöglichen es, die einzelnen Notfallszenarien sehr realitätsgetreu zu gestalten.

Die ausführliche Besprechung nach dem jeweiligen Fall ist ebenso zentral wie das Üben an sich. Die Kursteilnehmenden reflektieren nach jeder Übung ihr Handeln und erhalten von Amadeus Böhler, der die Fallszenarien genau beobachtet hat, wichtige Hinweise zur Optimierung: «Immer zuerst alles bereitlegen und erst dann loslegen. Sonst würdet ihr nachher in Schwierigkeiten geraten.» Das ist nur einer der Hinweise, die der Instruktor mit auf den Weg gibt.

Zum Abschluss der beiden intensiven Kurstage absolvieren die Teilnehmenden einen Theorie- und Praxistest, um zu überprüfen, ob die Lernziele erreicht worden sind. In einem Herzstillstands-Szenario prüfen die beiden Instruktoren Kompetenzen wie Kenntnis der Algorithmen, Beherrschung der Musterfälle des Kurses, Anwendung der medikamentösen Basistherapie und die Leistung als Teamleiter. Die engagierte Mitarbeit und das Lernen haben sich gelohnt: Am Besuchstag dürfen alle Teilnehmenden ihr ACLS-Provider-Diplom in Empfang nehmen.

Hier geht es zum Film.

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IMG_20190225_101756.jpg IMG_20190225_101838.jpg Therapie nach Herzstillstand

 


Spital Muri bietet Kursplätze für externe Interessierte an
Der zweitägige ACLS-Provider-Kurs thematisiert insbesondere die Bedeutung der Teamarbeit und Kommunikation sowie verschiedene Versorgungssysteme und die Notfallversorgung nach einem Herzstillstand. Der Refresher-Kurs dient als Auffrischung und wird ca. 2 Jahre nach dem Provider absolviert. Der Kurs greift die Themen erneut auf und konzentriert sich auf Tests der Fertigkeiten und Kompetenzen. 

Der zweitägige ACLS-Provider-Kurs thematisiert insbesondere die Bedeutung der Teamarbeit und Kommunikation sowie verschiedene Versorgungssysteme und die Notfallversorgung nach einem Herzstillstand. Der Refresher-Kurs dient als Auffrischung und wird ca. 2 Jahre nach dem Provider absolviert. Der Kurs greift die Themen erneut auf und konzentriert sich auf Tests der Fertigkeiten und Kompetenzen. 

Die Kurse richten sich in erster Linie an medizinisches Fachpersonal wie Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen, medizinische Fachangestellte und Rettungssanitäterinnen und -sanitäter. Das Spital Muri nimmt bei der Schulung und Weiterbildung seiner Mitarbeitenden eine Vorbildfunktion ein. Die Mitarbeitenden der Abteilungen Intensivstation, Notfall, Anästhesie und Rettungsdienst sowie alle Mitglieder des Reanimations-Teams absolvieren den Provider-Kurs und besuchen in regelmässigen Abständen den Refresher-Kurs.

Pro Instruktor können maximal 6 Personen am Kurs teilnehmen, die maximale Teilnehmerzahl liegt bei 12 Teilnehmenden. Der Rettungsdienst des Spitals Muri bietet die ACLS-Kurse auch für externes medizinisches Fachpersonal an, das sich im Umgang mit Notfallsituationen weiterbilden möchte. In der Regel finden die Kurse in den Räumlichkeiten des Spitals Muri statt. Auf Anfrage und bei mehreren Teilnehmenden bieten die Instruktoren den Kurs auch vor Ort an. Weitere Informationen zu den ACLS-Kursen befinden sich auf der Website des Spitals Muri.



 

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