Ursachen der Krankheit 

Adipositas ist eine komplexe chronische Erkrankung. Die vielfältigen Ursachen hängen einerseits mit unseren Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, psychischen Aspekten und der genetischen Veranlagungen zusammen. Andererseits können auch körperliche Erkrankungen oder Medikamente einen Einfluss haben.

Genetische Faktoren

Wenn einige Familienmitglieder an Übergewicht oder Adipositas leiden, deutet das auf eine genetische Veranlagung hin. Auch wenn Ernährungs- und Lebensgewohnheiten wie fettreiche Nahrungsmittel oder wenig körperliche Aktivität innerhalb einer Familie oft weitergegeben werden, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Genetik bei Adipositas eine grosse Rolle spielt.

Ernährung und Bewegung

In den letzten Jahren hat sich unser Lebensstil stark verändert. Heute sind wir mit einem Überangebot an Nahrung konfrontiert, das sich oft in kalorienreichen Produkten äussert. Dazu werden immer grössere Portionen gegessen. Diese Kombination kann auch durch körperliche Betätigung kaum verarbeitet werden. Zudem hat sich das Essverhalten bei den meisten Menschen verändert. Feste Essenszeiten werden von kalorienreichen Zwischenmahlzeiten verdrängt, da oft die Zeit für eine ausgewogene Mahlzeit fehlt und rasch etwas unterwegs konsumiert wird. Überall und zu jeder Tageszeit essen Menschen, da Nahrungsmittel permanent verfügbar sind. Ein weiterer Aspekt sind der stark gestiegene Zuckerkonsum und die Verbreitung gezuckerter Softgetränke. Viele Menschen trinken kaum noch Wasser, sondern decken den Flüssigkeitsbedarf mit gesüssten Getränken.

Der Aktivitätsgrad hat sich über die Jahre gewandelt. Schätzungen zufolge ist unser Energieverbrauch durch geringere körperliche Betätigung um etwa 500 kcal gesunken. Dazu beigetragen haben vor allem die zunehmende Motorisierung, sitzende (Büro-)Tätigkeiten und Freizeitbeschäftigungen wie Computerspiele, Fernsehen sowie das Internet.

Psychische Faktoren

Emotionen haben einen grossen Einfluss auf unser Essverhalten. Wir essen an sozialen Anlässen mit Freunden oder Geschäftspartnern, um Erfolge zu feiern oder Beziehungen zu stärken. Viele Menschen essen aber auch aus Langweile, Einsamkeit oder Traurigkeit. Diese emotionalen Reaktionen müssen bewusst wahrgenommen werden, um an den Gewohnheiten arbeiten zu können. Dann ist der Grundstein für die Bekämpfung der überschüssigen Kilos gelegt.

Erkrankungen und Medikamenteneinfluss

Auch Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Depressionen sowie genetische oder neurologische Probleme können zu Übergewicht führen. Menschen, die regelmässig mit Kortison behandelt werden, nehmen oft deutlich an Gewicht zu. Wenn eine Schilddrüsenunterfunktion medikamentös behandelt wird, stoppt normalerweise die Gewichtszunahme. Anders sieht das bei Depressionen aus, da viele Antidepressiva den Appetit noch zusätzlich steigern. Auch bei Diabetes mellitus Typ 2 ist die Lage kompliziert. Die Krankheit wird meistens erst durch Übergewicht ausgelöst und die Behandlung mit Insulin kann das Gewicht noch mehr in die Höhe treiben. Häufig kann dieser Teufelskreis nur mit Hilfe eines chirurgischen Eingriffs nachhaltig durchbrochen werden.